Oh no! Sony hat die Lemminge getötet

Schon in der Pre-iPhone Epoche, also zu Zeiten von Palm und Co, hab ich mir vorgestellt wie geil doch ein echtes Lemmings für Touch PDA´s wäre. Nun gut, Jahre später wurde ja mein flehen erhört und der Anbieter „SAD PUPPY LIMITED“ veröffentlichte Anfang Dezember das Spiel Lemmings für iOS und Android.

Zurück in die Vergangenheit

Als ich anno 1991 das Spiel an meiner geliebten „Freundin“ zu spielen begann, war ich von der gebotenen Grafik überwältigt. Alles wirkte wie aus einem Guss! Man fühlte sich geradezu eingesogen in der magischen Welt, in der Horden grünhaariger Wesen ohne fremde Hilfe in den sicheren Tod marschierten. Der Tod war in der digitalen Welt der Lemminge allgegenwärtig und für damalige Verhältnisse spektakulär in Szene gesetzt. Egal ob ein Sturz aus hoher Höhe, Kreissägen oder Flammenwerfer, wenn man es nicht schaffte die Prozession der Wuselwesen an den Fallen vorbeizuleiten, war ein dramatischer wie auch effektvoller Tot vorprogrammiert.


Was aber noch vielmehr in Erinnerung blieb als die Grafik, war der Sound. Mal rockig, mal melancholisch, mal Lustig und mal düster. Selbst heute noch ist es beeindruckend was man aus dem „Paula“ getauften 8bit Soundchip und nur vier Kanäle des Fünfhunderter gezaubert hat.

Zumal der ganze Rest des Spiels ja auch noch berechnet werden musste. Schon unglaublich was man damals aus 7 Mhz und 1MB Ram zaubern konnte :).

Das Hier und Jetzt

Diesen Zauber der 90er Jahre hat man versucht so gut wie möglich in die Neuzeit zu transferieren. Zwar ist die Grafik eher zweckmäßig als imposant und der Sound eher schmückendes Beiwerk als grandiose Klangkunst, aber im Großen und Ganzen hat man den Charme der Lemminge gut in die Neuzeit übertragen.

Die Steuerung des Spiels ist echt gelungen und man merkt dem Spiel an, dass sich die Programmierer echt Gedanken über eine brauchbare Touchbedienung gemacht haben. Im modernen Lemmings führt man nämlich nicht über die einzelne Figur eine Aktion aus, sondern über das Spielfeld. Dazu wurde dem gesamten Level ein Gitter aus 160 Quadratfeldern übergestülpt, welcher man jeweils eine Aktion zuweisen kann.

Im Falle des Fallschirms muss nicht jeder Lemming einzeln ausgewählt werden, sondern nur das Feld in dem es aktiviert werden soll. Jeder Lemming der dieses Feld durchfällt, bekommt dann automatisch einen Fallschirm verpasst.

Ähnlich sieht es beim Tunnelbauer, Blocker, Treppenbauer und Co aus. Nur das hier die Aktionen nicht dauerhaft sind, sondern nur von dem ersten durchlaufenden Lemming ausgeführt werden. Theoretisch kann man so das ganze Level im Vorhinein mit Aktionspunkten versehen. Allerdings laufen die Lemminge schon gleich nach dem Start schnurstracks drauflos, was der Vorplanung eine gewisse Hektik abverlangt.

Der Free2Play Todesstoß

Bis hierhin hört sich ja alles bestens an, aber während das 90er Jahre Lemmings noch mit einer festen Anzahl an Aktionen das Gehirn des Spielers zum kochen brachte, verzichtete man im modernen Lemmings auf eine feste Vorgabe pro Level.

Vielmehr beginnt man das Spiel mit einer festen Anzahl an Aktionsmöglichkeiten, symbolisiert durch blaue Magie-Fläschchen. Sind diese aufgebraucht, kann selbstredend mit echtem Geld welches nachgekauft werden. Es ist sogar möglich über einen Zeitraum von zwei Stunden unendlich viele Fläschchen zu erwerben. Damit sind die Zeiten vorbei in denen man mit einer vordefinierten Anzahl an spezial Fähigkeiten und viel Hirnschmalz die Lemminge zum Ziel führen muss. Vielmehr ist daraus ein nach dem Trail & Error aufgebautes „ich probiere einfach Wild herum und schaue was passiert“ Spiel geworden.

Mein Resümee

Dummerweise wurde durch die Möglichkeit der InApp Käufe der echt gute Ansatz verbockt. Der Reiz Level für Level zu absolvieren, ist bei mir gleich Null. Ich kann mir auch nicht vorstellen das das Spiel in irgendeiner Form finanziell recht erfolgreich wird. Das hätte dann natürlich den Nachteil, dass der Name „Lemmings“ wieder für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, in der Versenkung verschwindet.

Schreibe einen Kommentar